Tunis
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Tunis ist eine Stadt mit zwei Gesichtern. Zum einen eine moderne, fast europäisch wirkende Grossstadt, mit ihrer Hauptgeschäftsstrasse und Hochhäusern, und zum anderen tiefster Orient, wenn man in die alten, vor buntem Leben überquellenden Medinagassen eintaucht.

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Die Hauptstadt Tunesiens ist mit ihren fast einer Million Einwohnern der Verwaltungs- und auch Regierungssitz des Landes. Banken, Behörden, Ministerien und Wirtschaftsunternehmen haben hier ihre Zentralen aber auch Fachschulen, Universitäten und die Nationalbibliothek sind in der Stadt angesiedelt. Die Neustadt entstand während der französischen Kolonialzeit und liegt zwischen dem See von Tunis und der Medina. Sie nimmt den Ostteil des Zentrums ein und besteht unter anderem aus der Ville Nouvelle mit dem Nationaltheater, Hochhäusern, Kinos, einem Bahnhof und quirligen Bars sowie Restaurants.

Die Lebensader der Neustadt von Tunis ist die 60m breite und 1,25 km lange Avenue Habib Bourguiba. (Bild oben) Unter den Bäumen der prächtigen Fussgänger-Promenade haben Zeitungshändler und Blumengeschäfte ihre Stände und beidseits findet man darüber hinaus Kinos, Restaurants, Banken und Reiseagenturen. Das 21-stöckige Hotel Afrika (Bild links) ist der markanteste Neubau und ein weithin sichtbarer Orientierungspunkt. Nicht nur Hotels und moderne Bauten findet man hier, dazwischen gibt es immer wieder typische Kolonialbauten mit verspielten Fassaden oder das Stadttheater im Jugendstil aber auch Sehenswürdigkeiten können bestaunt werden. Wie beispielsweise die mächtige Französische Kathedrale aus dem Jahr 1882 oder das Denkmal von Ibn Khaldoun, dem 1332 in Tunis geborenen arabischen Philosophen und Historiker.

Den Westteil nimmt die Medina ein, die von uralten Moscheen, Medersen und Souks angefüllt ist. Die Altstadt erstreckt sich auf einer Fläche von ca. 800 mal 1500 m und ist die grösste Altstadt Tunesiens. 1979 erklärte die UNESCO die Medina zum erhaltenswerten Kulturgut. Das Herzstück der Medina ist die von Souks eingerahmte Grosse Moschee (Djamaa ez-Zitouna, Bild links), aber auch all die anderen kleineren Sehenswürdigkeiten verdienen einen Besuch wie z.B. die Drei Medersen oder die Sidi-Youssef-Moschee mit dem ältesten osmanischen Minarett. Die vielen Souks laden zum Flanieren ein und man findet dort schöne Teppiche, Kleidung und Souvenirs.

Wer sich nach all dem bunten Treiben in den Souks und dem Besichtigen der antiken Bauten etwas erholen möchte, besucht am besten den Parc du Belvedere. Diese 100ha grosse Grünzone im Norden der Neustadt ist ein beliebtes Ausflugsziel und begeistert mit einem gepflegten Park, darin ein See mit Restaurant unter schattenspendenden Bäumen auf einer kleinen Insel. Der Zoologische Garten ist die Hauptattraktion des Parks und gilt als der schönste Tiergarten Nordafrikas.

Nicht zu vergessen und unbedingt mit eingeplant werden sollte ein Besuch im Bardo-Nationalmuseum, welches sich im Stadtteil Le Bardo ca. 4 km westlich des Zentrums von Tunis befindet. Die Hauptstadt Tunis ist wohl deshalb das beliebteste Reiseziel Tunesiens, da man in keiner anderen Stadt, das moderne Leben und den alten orientalischen Charme so nah bei einander findet. Als eines der beliebtesten Reiseziele Tunesiens ist Tunis jederzeit einen Besuch wert.

AUSFLUGSZIELE UND SEHENSWÜRDIGKEITEN

Die Medina von Tunis

Die Medina gehört zum Weltkulturerbe der Unesco und ist eine wahrhaftige Stadt in der Stadt. Die Medina ist sehr gut erhalten (wunderbare bedeckte Souks, gewölbte Passagen, Moscheen, Medersas und ehemalige Paläste). Ein grosses Labyrinth von verwinkelten Gassen, überdachten Passagen und lebendigen Souks erwartet den Besucher. Die Türen sind hier mit Nägeln beschlagen und mit Steinskulpturen verziert. Und hinter manch einem solchen Eingangsportal finden sich wunderbare Paläste, wie zum Beispiel das Dar Ben Abdallah, in dem heute das Heimatkundemuseum untergebracht ist. Etwas ausserhalb der Medina liegen Sehenswürdigkeiten wie der Bardo-Palast (in einem Teil des Palastes befindet sich das für seine römische Mosaikensammlung bekannte Archäologiemuseum), die ein architektonisches Zeugnis des tunesischen Baustils abgeben. Bunte Keramikkacheln treffen hier auf Steinverzierungen, Marmorintarsien kokettieren mit ziseliertem Stuck.

Die Welt der Medina
Die traditionelle arabische Stadt hat ihre Codes und Geheimnisse. In mehreren tunesischen Städten haben die alten Viertel ihre unwandelbare Struktur beibehalten. Im Herzen der Stadt steht die Grosse Moschee. Sie wird von den Souks, den Marktgassen umgeben, die sie mit den grossen Stadttoren verbinden. Die Souks sind in verschiedene Handelssektoren aufgeteilt. Man findet die edlen Handwerke wie Gold- oder Silberschmiede, bestickte Jebbas, Gewänder, besonders feine Webereien, Parfums oder traditionelle Schminke. Im Mittelteil der Medina sind die Souksstrassen mit schönem, altem Gewölbe bedeckt. Weiter entfernt von dem quirligen Stadtleben zieht sich ein ruhiges Labyrinth aus Gassen, Sackgassen und bedeckten Passagen hin, die zu den Wohnhäusern führen. Die mit Kalk geweissten Mauern lassen nichts aus dem Innenleben der Häuser erahnen: die Häuser mit den kahlen Aussenmauern nehmen ihren Luftzug und das Licht über ihre Innenhöfe. Hier und da sieht man eine mit kräftigen Farben bemalte Tür, die mit Nägelmotiven geschmückt ist oder die mit Steinskulpturen umrandet ist. Diese deuten auf einen Hammam, eine Zaouia oder eine schöne, altes Anwesen hin.

Häuser und Paläste
Zahlreiche ehemalige traditionelle Anwesen sind heute in Museen, Sitze öffentlicher Einrichtungen oder Geschäfte umgewandelt. Die Besucher können so den Charme dieser besonderen Architektur entdecken. Der Innenhof ist im Herzen des Hauses. Die "skifa", ein verwinkelter Eingang, der die Intimität des Ortes bewahrt. Die "driba" ist die Eingangshalle der grossen Häuser. Das Zimmer ist auf das "qbu" zentriert (prächtig dekorierter Empfangsraum). All diese Elemente stellen das typische arabische Haus dar, das einer uralten Lebenskunst gewidmet ist. Die nüchterne Eleganz der Säulengänge verbindet sich mit der Frische der mit Kacheln verkleideten Wände und der Feinheit der mit ziseliertem Stuck besetzten Decke. Vom einem zum anderem Haus kann man auch die Entwicklung der Stile und der verschiedenen Einflüsse entdecken: hafsidische oder spanisch-maghrebinische Kapitelle, gerade oder bogenförmige Türschwellen, andalusische oder osmanische Motive, Marmoreinlegearbeiten oder Leisten nach italienischem Modell.

Dar El Haddad (Impasse de l'Artillerie)
Südwestlich der Souks, im alten Quartier der Beni-Khorassan erbaut, ist er unbestritten eines der ältesten Gebäude der Medina, dessen Kon­struktion bis ins 16. Jh. zurückreicht.Seit dem Anfang des 18. Jh. gehört er den Had- dads, einer Familie, die durch die Produktion von chechias (trad. Gewand) reich wurde, die aus Andalusien stammte und im 16. Jh. nach Tunis immigrierte. Da er als historisches Gebäude ein­gestuft ist, werden derzeit Restaurierungsarbei­ten vorgenommen. Er unterscheidet sich durch seinen eigentümlichen Grundriss, seinen ge­nauen architektonischen Aufbau, seine Eleganz und durch die Schlichtheit seines Dekors. Der In­nenhof wird auf drei Seiten von Säulengängen umsäumt; die Säulen, mit hafsidischen Kapitel­len verziert, werden durch Schlusssteine erhöht. Die vierte Seite des Innenhofes ist mit drei längli­chen Nischen versehen; zwei kleine Gesimse verzieren den Eingang dieser Seitennischen. Im ersten Stock befindet sich auf allen vier Sei­ten eine Galerie. Die Säulen, die auf Sockeln mit Schrägkanten ruhen, sind jeweils zu dritt grup­piert, an den Ecken sind sie durch eine Balustra­de aus geschnitztem Holz verbunden. Im Ge­gensatz zu der üblichen Aufgliederung in den Palästen sind die Personalräume nicht von den Herrschaftswohnräumen getrennt. Sie erstrecken sich auf jeder Seite des Prunkraumes, wel­cher sich dem Eingang gegenüber befindet; ein Teil diente als Vorratskammer, der andere Teil beherbergte den Brunnen und führt zu einem kleinen Hof, von dem aus man die Küche, den Hamman (Badehaus) und die Latrinen erreichen konnte. Eines der sechs grossen Zimmer des Pa­lastes, das sich im ersten Stock befindet, sticht durch seinen ungewöhnlichen Grundriss heraus: ein zentraler, nach hinten versetzter Raum, der von vier seitlich gelegen kleinen Zimmern flan­kiert wird.

Dar Hussein (Place du Chateau no. 4)
Dieser Palast, der sich auf dem Standort des „Ksar“ (Burg) von Beni Khorassan (11. Jh.) befin­det, wurde von Ismail Kahia, dem Minister und Schwiegersohn von Ali Bey (1758-1781) wieder aufgebaut. Am Beginn des 19. Jh. wurde er vom berühmten Youssef Sahib EtTabaa, dem Minister von Hammouda Pacha, in Besitz genommen. 1858 wurde er neu restauriert und diente als Sitz der Stadtverwaltung, deren Vorsitzender General Hussein war: daher rührt auch sein Name „Dar El Achra“ (das Haus der zehn), was als Anspielung auf die zehn Notabein, aus denen sich die Verwal­tung zusammensetzte, verstanden werden kann. Im Jahre 1882 beschloss der General Forgemol. der an der Spitze der französischen Truppen in Tunis einmarschierte, sich mit seinem General­stab im Sitz der,, Stadtverwaltung“ niederzulassen. So wurde der Palast als Sitz des französi­schen Militärkommandos gewählt. Der heutige Place du Chateau, früher Teil des alten Friedho­fes, wurde bei dieser Gelegenheit adaptiert. Nach der Ausrufung der Unabhängigkeit wurde der Palast dem Nationalinstitut für Archäologie und Kunst zugeteilt.
Nachdem man die zwei Vorzimmer hinter sich ge­lassen hat, gelangt man zu einem wunderschö­nen Hof mit Säulenreihen. Auf den Wänden wechseln sich Fayencen aus Kallaline mit Fayenceplat­ten des „Mihrab“ (Gebetsnische) ab, die mit Va­sen geschmückt sind. Die neokorinthischen Kapi­telle sind zweifelsohne das Werk von italienischen Bildhauern. Drei von vier Zimmer sind klassisch angeordnet, mit zentralen Alkoven und von „maksoura“ (Kämmerchen) umgeben, die um den Hof angelegt sind. Das vierte Zimmer, von der Phan­tasie von Youssef Sahib Et Tabaa beeinflusst, weist eine gedrungene, fast quadratische Form auf, wobei die drei traditionellen Alkoven erhalten blieben. Dieser Saal wird von einem Kreuzgewöl­be überdacht, das von einer pompösen Stückar­beit geziert wird, die sich aus Vasen zusammen­setzt, aus denen Blumensträusse hervorquellen und grosse Rankenornamente auf den vier Flä­chen des Hauptgewölbes bilden.

Die 3 Medersas (theol.-jur. Hochschule)
In jeder dieser Hochschulen findet man die klassischen Stilmittel, die diese Art von Gebäude kennzeichnen: die Wohnzellen gehen auf drei Seiten eines zentralen Hofes hinaus, auf der vierten Seite befindet sich die Moschee für die Vorlesungen und Gebete.Als erste (1714) wurde die Medersa du Palmier, die der Universität Ez-Zitouna am nächsten gele­gene Hochschule, erbaut. An der Stelle eines foundouk (Grosshandelslager und Herberge für Kaufleute und Tiere) errichtet, erhielt sie ihren Namen durch eine Palme, die in einem heute noch vorhandenen kleinen Garten im Zentrum des Hofes wuchs. Ein Säulengang mit Spitzbö­gen, die auf steinernen Säulen mit türkischen Kapitellen ruhen, umsäumt auf allen vier Seiten diesen Hof. Derzeit wacht eine religiöse Gesell­schaft über die Erlernung des Koran. 1752 liess Ali Pacha eine zweite Medersa bauen, die seinen Namen trägt. Der rechteckige Hof wird auf jeder Seite von je drei Bögen gesäumt, die auf Säulen aus schwarzem Marmor mit Kapi­tellen aus weissem Marmor ruhen. Diese Meder­sa ist schöner als die vorherige: Man betritt sie durch die rue des Libraires. Neben dem Eingang bemerkt man schnell den „sebil“, einen öffent­lichen Brunnen, den Ali Pacha der gottesfrömmi- gen Stiftung beifügen liess. Dieser sebil steht auf einem Sockel aus Stein und befindet sich hinter den Gitterstäben eines Fensters. Nach ihrer Re­staurierung wurde die Medersa zu einer Schule für Handwerkskunst, während eine andere kultu­relle Gesellschaft ihren Sitz im Tourbet (Grab­stätte) des Begründers hat. 1754, zwei Jahre nach der Gründung der Meder­sa El-Bachiva, nahm die Medersa Slimania die Ecke zwischen dem Souk des Libraires und dem Souk El Kachchine ein. Sie wurde vom selben Ali Pacha seinem Sohn, der von seinem Bruder vergiftet wurde, gewidmet. Diese Medersa unter­scheidet sich von den anderen durch einen mo­numentalen Portalvorbau, der auf Säulen mit tür­kischen Kapitellen steht und durch ein Gesims mit grünen Ziegeln gekrönt wird. Dieses Bau­werk, das im Vergleich zur Strasse erhöht ist. wirkt höher als die anderen. Der Eingang ist durch Kacheln mit Blumenmuster und mit eini­gen Steingesimsen verziert. Der rechteckige Hof wird von einer Spitzbogengalerie gesäumt, die auf Kalksteinsäulen mit Voluten-verzierten Kapi­tellen ruht. Wie auch anderen Medersas. wurde der Slimania eine neue Verwendung zuerkannt. Sie beherbergt heute medizinische Gesellschaf­ten. die sich mit der. traditionellen Medizin be­schäftigen.
Die Adresse der Hochschulen ist: Medersa du Palmier 11, Rue des Libraires Medersa Bachia 19, Rue des Libraires Medersa Slimania 13, Rue de la Medersa Slimania


Die Nationalbibliothek (Ehemalige Kaserne El Attarine: Souk El Attarine)
Der Bey Hammouda Pacha, der Gründer die­ser Kaserne, hatte eine besondere Vorliebe für militärische Einrichtungen und den Kasernenbe­reich. Er liess die äussere Stadtmauer und fünf Ka­sernen im Zentrum der Medina errichten, unter anderem auch die Kaserne El Attarine (1814). Mit dem Beginn des Protektorats (1881) verlie­ssen die Garnisonen die Kaserne, und die Kolo­nialverwaltung richtete dort die „Verwaltung der Antiquitäten“ und die „allgemeine Bibliothek“ ein. Die allgemeine Bibliothek, die neu organisiert und durch tausende arabische Werke und Hand­schriften, die aus der Grossen Moschee und den Medersas der Medina stammen, bereichert wur­de, ist heute als Nationalbibliothek bekannt. Es handelt sich um einen typischen Kasernen­bau und erinnert durch die Anordnung der Räu­me um den Innenhof an einen Wohnsitz, an „Fondouks“ (Grosshandelslager und zugleich Herbergen für Kaufleute und Tiere) oder an Me­dersas. Der längliche Innenhof ist von Galerien umgeben, auf denen grossräumige Stuben ange­ordnet sind. Einige tragen auf ihrer Fassade noch die Namensschilder der Kompanien der Janitscharen, für die sie bestimmt waren.

Die Olivenbaummoschee (Ez-Zitouna)
Die Grosse Moschee, die auch Ez-Zitouna (Olivenbaummoschee) genannt wird, liegt inmit­ten der Altstadt und ist das grösste und ehrwür­digste Heiligtum in Tunis. Ihr Gründungsdatum geht auf die Entstehungszeit der Stadt selbst zurück (698). Sie wurde jedoch vom Emir Aghlabite Ibrahim Ibn Ahmed (856-863) vollständig erneuert. Ihre Säulenhalle zählt nicht weniger als 184 Säulen und antike Kapitelle, die höchst­wahrscheinlich von den Ruinen Karthagos stammen und wiederverwendet wurden. Dieses Bauwerk wurde laufend von den nachfolgenden Dynastien umgebaut und verschönert.Die Kuppel des „bahou“ (oberhalb des Ein­gangs zum Gebetssaal auf der Hofseite gele­gen) ist ein gutes Beispiel für die ziridische Kunst (11. Jahrhundert), wo sich unzählige Ni­schen mit zweifärbigen Steinen harmonisch ver­binden. Die Bibliothek, die sich im Hauptschiff östlich des Gebetssaals befindet, wurde vom Sultan Abu Uthman im Jahre 1450 gegründet. Zu Beginn des 16. Jahrhunderts wurde die Ost­fassade des Gebäudes mit einer Säulengalerie verziert. Die Türken haben eine Galerie an drei Seiten des Hofes (1653) angefügt und ein neu­es Minarett errichtet. Dieses wurde als zuwenig hoch angesehen und im Jahre 1834 durch ei­nen 44 m hohen Turm ersetzt, der vom spa­nisch-maurischen Dekor des Minaretts der Mo­schee der Kasbah beeinflusst war. Dieses Heiligtum, um das sich das öffentliche Leben abspielt, wurde am Schnittpunkt der zwei wichtige Achsen (Nord-Süd, Ost-West) ange­legt. Die Moschee wird von Souks umgeben. Die Buch-, Parfüm-, Stoff- und Trockenobst­händler hatten das Privileg, in ihrer unmittelba­ren Nähe angesiedelt zu sein. Die anderen Händler befanden sich rundherum und bildeten ein wichtiges, pulsierendes Geschäftsviertel mit hundertjähriger Tradition. Zu Beginn war die Grosse Moschee ein politisch religiöses Zentrum, wo auch Handelsabkom­men und Geschäftsabschlüsse stattfanden. Aber schon sehr bald verlor sie ihre weltliche Rolle und bekam einen immer stärker werden­den religiösen Charakter. Ihr guter Ruf als Lehr- stätte für Rechts- und Religionsfragen zog nicht nur Studenten aus Tunis, sondern aus ganz Tunesien und dem Ausland (Maghreb und Afri­ka) an. Diesen letzteren gewährten die Medersas gratis Unterkunft. Ihre Bedeutung nahm nach der Gründung der neuen Universität der Zitouna ab, aber sie blieb bis heute eine theologische Hoch­schule und versammelt nach wie vor die Gläubi­gen fünfmal täglich zum Gebet, vor allem zum Freitagsgebet und den grossen Festtagsgebe­ten.

Tourbet El Bey (62, Rue Tourbet El Bey)
Tourbet El Bey. ein Mausoleum husseimtischer Fürsten, reicht in die Zeit Ali Pacha’s II. (1758-1782) zurück und ist das grösste Bauwerk dieser Art in Tunis. Die äusseren Fassaden aus gelblichem Sandstein zieren Wandpfeiler und Gesims in italienischem Stil. Mehrere verschie­den grosse Kuppeln ragen über die Terrasse hin­aus: sie zeigen dem Betrachter, wie grosszügig die Räume des Bauwerks angelegt sind. Neben den Gräbern der Herrscher und deren Familien beherbergt dieses Bauwerk auch die Ruhestätte einiger Minister oder deren Ge­treuen. Zwei der Totenzimmer erwecken besonderes In­teresse: Das eine birgt die Grabstätten früherer Regenten und ist prunkvoll mit buntem Marmor nach italienischem Vorbild ausgekleidet. Das an­dere überrascht mehr durch seinen architektoni­schen Aufbau als durch den Dekor. Die Decke bildet eine grosse, ovale Kuppel.Die Gräber unter der Erde sind durch mit Flach­reliefs reich verzierte Marmorschreine gekenn­zeichnet: darüber erheben sich prismaförmige Säulen mit Inschriften, die ein in Stein gemeissel­ter Turban oder Tarbouch krönt, sofern es sich um einen männlichen Toten handelt. Die Grä­ber der Frauen sind an ihren Enden von zwei Marmorplatten begrenzt: eine davon trägt Gra­vuren.

Dar Othman (16 Bis, Rue El M'Bazaa)
Dank einer gut ausgerüsteten Flotte „gewann Othman Dey (1594-1610) das Rennen und machte reiche Beute“. Er liess sich diesen Palast für seinen persönlichen Gebrauch erbauen, ei­nen der ältesten und schönsten von Tunis, weit­ab der Kasbah, der Janitscharen und Revolten. Zwischen der Rue El M'Bazaa, der Rue des Teinturiers (Färberstrasse) und der Rue El Moujahidines gelegen, geht der Palast nur auf die Rue El M'Bazaa hinaus; der Zutritt war durch Tore geschützt. Othman Dey bewohnte diesen Palast bis zu seinem Lebensende (1610). Das Bauwerk zeichnet sich durch seine prunk­volle Fassade aus. Das Tor auf der rechten Seite wird von zwei übereinander angeordneten Ober­schwellen überragt, die von einem Spitzbogen getrennt werden. Dieser wiederum wird von zweifarbigen Wölbsteinen gesäumt. Zwei kleine übereinander liegende Säulen aus Marmor flan­kieren symmetrisch die Fassade. Die Wände der „Driba“ (Eingangshalle) enden in einer Bogenreihe oberhalb der gemauerten Gesimse. Der Dekor der mehrfarbigen Keramik und des mit Skulpturen versehenen Stucks wird durch eine Verkleidung mit schwarz-weissem Marmor abge­rundet. Ein Patio erstreckt sich zwischen zwei Säulen­gängen mit fünf Spitzbögen aus schwarz-weissen Wölbsteinen, gestützt von Säulen mit spanisch­maurischen Kapitellen. Diese Aneinanderrei­hung der Bögen setzt sich auf den beiden ande­ren Seiten des Hofs in zwei Zierbogenreihen fort. Die Pflasterung des Hofs ist im Laufe der Zeit verschwunden, 1936 wurde er zu einem Innen­garten umgewandelt. Derzeit gehen neue Re­staurierungsarbeiten ihrem Ende zu. Bald schon wird das Bauwerk das Museum für handwerkli­che Berufe beherbergen und eine Ergänzung zum Dar Ben Abdallah bilden.

Dar El Bey (Place du Gouvernement)
1795 liess der hussenitische Herrscher diesen Palast auf den Ruinen der fürstlichen Bauten der Mouraditen errichten. Der Palast wurde mit einem prunkvollen Stockwerk ausgestattet. Die Zimmer an der Süd- und Ostseite des Patio sind besonders luxuriös eingerichtet. Das andalusische Dekor ist ein Anzeichen für den fortlaufen­den Einfluss der aus Spanien kommenden Künst­ler. Man behielt den Palast den sehr angesehe­nen Gästen der Regierung vor, die aus Frank­reich, Deutschland, Grossbritannien und dem osmanischen Reich kamen. Nach dem Protekto­rat (1882-1883) verlor der Palast seine ur­sprüngliche Funktion, man siedelte hier die Ver­waltung an, die von Bardo nach Tunis verlegt wurde. Seit der Unabhängigkeit ist der Dar El Bey der Regierungssitz geworden.

Die Youssef Dey Moschee (Rue Sidi Ben Ziad)
Am Anfang des 17. Jahrhunderts wollten die Türken, die zahlreicher und in einer stärkeren politischen Position waren, ihre eigene hanefitische Moschee. Der Herrscher Youssef Dey (1610-1637) liess die Moschee im Jahre 1616 errichten. Dieser Prinz war der Nachfolger von Othman Dey. Er übernahm ein gut organisiertes und reiches Land und leistete während seiner dreissigjährigen Regierungszeit beachtenswerte Arbeit im architektonischen und urbanen Be­reich. Die Moschee, die nach ihm benannt wur­de, befindet sich inmitten der türkischen Souks, die übrigens von Youssef Dey selbst entworfen wurden: Souk Et Trouk (den türkischen Schnei­dern Vorbehalten), Souk El Birka (Sklavenmarkt) und Souk El Bechamkia (für die Hersteller der „Bichmak“, der türkischen Pantoffeln). In dieser Moschee versammelten sich die türkischen Handwerker zum Gebet; ihr Gebetssaal ist ein Hypostylos, ihre Säulen und Kapitelle sind ver­schiedenen Ursprungs, wobei jedoch der hafsidi- sche Stil vorherrscht. Die Kreuzgewölbe und die Kuppel, die der „Mihrab“ (Gebetsnische) voran­ging, sind gängige Arten der Überdachung. Die Eigentümlichkeit dieser Moschee liegt im Ersatz des „Minbar“ (Gebetskanzel) aus Holz durch ei­nen gemauerten Minbar und in der Errichtung ei­ner „Sedda“ (hohes Podium) für die „Khoujas“ (Vorbeter des Koran), des weiteren in der Form des Minaretts und der Anlage des Grabes des Gründers im Hof. Das Minarett und das Grab er­strecken sich entlang der Strasse Sidi Ben Ziad und bereichern die Medina um einen weiteren schönen Anblick. Das Minarett erhebt sich nord­östlich der Moschee auf einem quadratischen Grund. Es ist das erste achteckige Minarett in Tunis, das die Form aller nachfolgenden Mina­rette der türkischen Moscheen beeinflusst hat. Dieser achteckige Turm wird von einem rundum laufenden Balkon bekrönt, von dem aus die Mu­ezzins, die durch ein Vordach aus Holz vor der Witterung geschützt sind, zum Gebet rufen. Die kleine Laterne mit pyramidenförmigem Ziegel­dach bildet den Abschluss des Minaretts. Das Mausoleum in Tunis ist ein Vorreiter der To­tenmoschee, in der sich das Grab des Gründers mit der Kultstätte verbindet. Es beherbergt das Grab Youssef Dey’s sowie jene seiner Familien­mitglieder. Es wird zu Recht als Meisterwerk angesehen, Der viereckige Bau weist auf jeder Seite ein gro­sses zentrales Bogenwerk auf, das von zwei Eta­gen mit nischenartigen, flachen Vertiefungen ge­säumt wird. Die Ecksäulen, die sich auf beiden Ebenen befinden, lockern die Silhouette be­trächtlich auf.

Die Medersa Mouradia (37. Souk des Etoffes)
Die mouradistischen Beys, die die Deys abge­löst und eine erbliche Dynastie eingeführt haben, wollten die Herzen der Tunesier gewinnen, die tief im Inneren malekitisch geblieben waren. Mourad II.. der Sohn des Hammouda Pacha, liess deshalb aus politischen Gründen im Souk des Etoffes (Stoffe) diese Medersa für die malekitischen Studenten errichten (1673). Sie wurde auf den Ruinen der Kaserne der türkischen Miliz er­richtet, wurde jedoch später während einer Re­volte zerstört: daher rührt auch ihr Name Meder­sa At Touba (Medersa der Reue). Eine grosse, mit Nägeln beschlagene Tür. Von einem breiten Marmorrahmen gesäumt, führt zu einem Hof. der mit Kalkstein gepflastert ist und von Galerien umgeben wird, die eine Säulenrei­he bilden. Im ersten Stock wird eine Fenstergale­rie von einer Holzbrüstung gesäumt. Die ehema­ligen Wohnzellen für Studenten werden von ge­raden. gleich aussehenden Türen verschlossen, während der Eingang zum Gebetssaal einen spitzen Bogen aus schwarzem und weissem Mar­mor bildet. Heute gibt sich die Medersa Mouradia mit jungen Schülern zufrieden, die unter den gestrengen Blicken ihrer Meister ein Handwerk erlernen.

Souk el Attarine
Man schreibt die Errichtung der Souks, inmit­ten derer sich die Grosse Moschee befindet, den ersten Hafsiden (13. Jh.) zu. Nur die „noblen“ Souks ziehen sich entlang dieses ehrwürdigen Heiligtums, die anderen befinden sich weiter ausserhalb des Zentrums, in der Nähe der Stadt­tore. An der Nordfassade der Grossen Moschee er­streckt sich der Souk el Attarine (Parfümhänd­ler) der seine ursprüngliche Funktion beibehal­ten hat: Man kann hier Essenzen, Weihrauch so­wie verschiedene andere Ingredienzen (Mineral- und Pflanzenstoffe) erwerben, die zur Herstel­lung von Schönheitsprodukten verwendet wer­den. Die Wachskerzen, die oft auf fünfarmigen Kandelabern befestigt sind, sind die traditionelle Opfergabe für alle Heiligen. Die gepolsterten Körbe, die die Auslagen der Geschäfte zieren, sind für die Geschenke bestimmt, die der Verlob­te seiner zukünftigen Frau macht. Ladentische und Regale aus geschnitztem Holz sind in man­chen Geschäften besonders fein gearbeitet und zeugen vom grossen Reichtum dieser Souks.

Souk el Kumach
An der Westseite der Grossen Moschee gele­gen, beweist der Souk el Kumach (Stoffe) durch seine homogene Architektur, dass ein Souk kein zufälliges Bauwerk ist, das aus einer blossen Aneinanderreihung mehrerer Geschäfte entstand. Zwei Säulenreihen unterteilen den Souk in drei Strassen. Die Hauptstrasse, die als Geh- und Ver­kehrsweg gedacht ist. ist breiter als die Seiten­strassen. an denen sich die Eingänge zu den Ge­schäften befinden. Zwei Tore verschliessen den Zutritt zu den Souks, eines davon (auf der Seite vom Souk el Attarine) ist von Kapitellsäulen in reinem spanisch-mauri­schen Stil gesäumt.

Das Mausoleum Sidi Boukhrissan
Nahe der Rue Sidi Bou Khrissane, die den Na­men der Dynastie der Beni Khourassane (11. bis 12. Jahrhundert) fortbestehen lässt, befindet sich diese Nekropole, die Teil des ältesten Friedhofs der Stadt war. Dieser zog sich entlang der alten Stadtmauer südwestlich der Medina. Die Grab­säulen beeindrucken durch ihren kalligraphi­schen Reichtum der Grabinschriften. Das Ge­bäude, das die Form der klassischen Grabkup­pel des Maghreb beeinflusste, stammt aus dem 11. Jahrhundert. Es beherbergt die Gräber der Dynastie der Beni Khourassane. Die halbkugel­förmige Kuppel erhebt sich über einer grösseren trommelförmigen Basis, die wiederum auf einem quadratischen Unterbau ruht; vier massive Pfei­ler tragen das gesamte Bauwerk.

Dar Ben Abdallah
Im Jahre 1796 erbaut, beherbergt dieser Pa­last das Volkskunstmuseum. Diese Sehenswür­digkeit bietet mehr als einen blossen Museums­besuch; sie gibt Einblick in das Innerste der luxu­riösen Wohnsitze, wo sich ein friedliches Fami­lienleben abspielte. Die verdeckte Tür, die keinen direkten Einblick in das Gebäude gestattet, führt zu einem Hof unter freiem Himmel, um den herum die Wohnungen der Besitzer angeordnet sind, in denen sich heute die Räumlichkeiten des Museums befinden. Die Sammlungen spiegeln durch eine fachkundige Auswahl der ausgestellten Gegenstände die Le­bensweise des tunesischen Bürgertums im 19. Jahrhundert wider: Kostüme mit Goldstickerei, Schmuck mit eingearbeiteten Steinen und Ge­brauchsgegenstände von besonderer Feinheit. Von den vier Räumen sind einer für den Mann be­stimmt, einer für die Braut, der dritte für die Frau und der vierte für die Kinder.

Tourbet Aziza Othmana (Mausoleum)
Die Prinzessin Aziza Othmana (verstorben 1669) war bekannt für ihre Wohltätigkeit; sie schenkte am Ende ihrer Lebenstage allen Skla­ven die Freiheit und stiftete ihre ganzen Güter („Habous“ - religiöse Stiftungen) für verschie­dene wohltätige Zwecke: Finanzierung eines Spitals, Geld für die Freilassung der Sklaven, Freikauf von Gefangenen und Geld für die Aussteuer junger mittelloser Mädchen ... Ein Teil des Einkommens dieser Güter (Habous) war für den Kauf von Blumen vorgesehen. „Ich möchte, dass immer Blumen auf meinem Grab stehen“, forderte die Prinzessin. Eine Stiege führt über einen langen Gang in ein dreigeteiltes Mauso­leum: In der Mitte befinden sich das Grab von Aziza Othmana und das ihres Grossvaters, links die Gräber ihrer Diener und rechts das Toten­zimmer ihrer Familie. Im mittleren Teil sind Wän­de und Boden mit mehrfärbigen Keramikarbeiten aus Kallaline reich verziert, die Kuppel wird von fein ziseliertem Stuck bedeckt. Gegenüber dem Eingang grenzt eine Zwischenwand aus Holz, die die Grundmauer ersetzt, das Grabmal von Zaouia Sidi Ben Arous ab.

Souk el Birka (ehemaliger Sklavenmarkt)
Der von Youssef Dey (1610-1637) errichtete Souk wird heute von Juwelieren bevölkert. Die­ser quadratisch angelegte Souk, der von einer zentralen Kuppel und einem lateralen Tonnen­gewölbe überdacht wird, ähnelt vielmehr einem Platz. In der Mitte befand sich eine Estrade aus Holz, auf der die zur öffentlichen Versteigerung angebotenen Sklaven vorgezeigt wurden. Nach­dem die Käufer ihre Wahl getroffen hatten, nah­men sie auf den gegenüber der Estrade gelege­nen Bänken Platz und verfolgten aktiv die Ver­steigerung.

Bardo-Museum
Das Museum war früher ein Herrscherpalast, es liegt in einem grosszügigen und gepflegten Park. Ein Besuch empfiehlt sich unbedingt. Die Ausstellungsräume befinden sich im ehemaligen Harem des Palasts mit seinen reich dekorierten Decken. Im viel kleineren Herrenhaus, von Wachen in traditioneller Uniform und zwei Marmorlöwen bewacht, tagt das Parlament. Der alte Festungsturm aus dem 16. Jh. dient den Wachsoldaten als Unterkunft. Im Untergeschoss des Museums stehen Modelle von antiken Stätten, deren kostbarste Funde hier ausgestellt sind. Aus vorgeschichtlicher Zeit werden Steinwerkzeuge und archaischer Schmuck gezeigt, aus punischer Zeit Sarkophage, Stelen, Statuen, Lampen und Münzen. Die römische Epoche glänzt vor allem mit ihren einmaligen Mosaiken. Sehenswert ist der Mahdiasaal mit den Schätzen eines 81 v. Chr. gesunkenen griechischen Schiffs, das vor der Küste von Mahdia 1907 geborgen wurde. Funde und Reliquien aus der arabischen Zeit sind in einem Seitentrakt untergebracht. Er war früher ein kleiner Beypalast und ist älter als das Hauptgebäude. Die Räume liegen um einen Innenhof mit Springbrunnen.

Karthago
Mit der Vorortbahn TGM sind Sie in einer halben Stunde in Karthago. An der Stätte des antiken Karthago hat sich ein moderner Villenvorort mit blühenden Gärten entwickelt.

 

Kathedrale
Die Kathedrale des heiligen Ludwig, von weither sichtbar, liegt auf dem Byrsahügel und ist heute Konzertsaal. Im früheren Kloster der weissen Väter befindet sich das Museum von Karthago mit einer sehenswerten Sammlung römischer und punischer Funde und einem Modell des Opferplatzes Tophet. In seinem Park liegt das Grab des heiligen Ludwig, der hier an der Pest starb. Von hier hat man eine schöne Aussicht über ganz Karthago,

 

Salammbô, die punischen Häfen und La Goulette.

Nach Spuren der Phönizier, die Karthago 814 v. Chr. gründeten, der Römer, die es 146 v. Chr. dem Erdboden gleichmachten, und der Byzantiner wird weiter geforscht und gegraben, vor allem, seit Karthago zum kulturellen Welterbe ernannt wurde und die Unesco 1974 zur Rettung der antiken Stadt internationale Archäologen zur Hilfe rief. Zu den deutschen Grabungen zählen das Quartier Magon mit der punischen Stadtmauer und der neu entdeckte Tempel des Baal Hammon, der zur Zeit der Gründung Karthagos errichtet wurde. Die Römer hatten ihn mit einer monumentalen Apsis überbaut. Das gestaltete die Ausgrabungen sehr schwierig. Weitere Teile der ersten punischen Stadtmauer konnten freigelegt werden, enorm viele Siegestempel aus dieser Zeit wurden gefunden. Unbedingt sehenswert sind die römischen Villen oberhalb des Theaters, mit einem herrlichen Blick auf den Golf von Tunis, und die Thermen des Antoninus Pius direkt am Meer. Im Bereich der antiken Stätten werden »römische« Münzen, Öllampen und Statuetten angeboten, die selten echt sind. Im Juli oder August findet im antiken Theater das Festival von Karthago statt.

Kathedrale St. Vincent de Paul et St. Olive
Die Kathedrale St. Vincent de Paul et St. Olive (wie ihr vollständiger Name lautet) steht genau im Zentrum der Ville Nouvelle (Neustadt im Jugendstil) in der Nähe des Bab el-Bahr östlich von Tunis. Sie wurde 1882 auf einem katholischen, dem heiligen Antonius geweihten, Friedhof erbaut. Es gibt rund 20.000 Katholiken in Tunesien, die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung gehört der Islamischen Glaubensrichtung an. Dieser Friedhof, welcher schon in Schriften des frühen 17. Jahrhunderts erwähnt wird, war für verstorbene Sklaven gedacht, die von den vor Tunis operierenden Korsaren gefangen worden waren. Die Kathedrale begeistert zuerst mit Ihrer kolossalen Aussenfront und ihren hohen Zwillingstürmen über dem Eingang. Das Mosaik über dem Haupteingang zeigt Christus. Mit ihrer byzantinischen Kuppel über der Vierung von Langhaus und Querschiff ähnelt sie der christlichen Basilika in Henchir Khira.Die Architektur im Inneren ist ein Mix aus byzantinischen, gotischen und nordafrikanischen Stil, ein Echo der Geschichte des Christentums in der Region. Über dem Triumphbogen sieht man einen Abraham, der Juden, Christen und Muslime segnet. Das Gemälde in der Apsis stellt die Himmelfahrt des heiligen Vincent de Paul dar, der von nordafrikanischen Heiligen und Märtyrern unter Führung des berühmten Bischofs St. Cyprianus von Karthago umgeben ist. Das rot-goldene Fenster im rechten Querschiff zeigt die Herabkunft des Heiligen Geistes zu Pfingsten und das grünblaue Bleiglasfenster stellt Mariä Himmelfahrt dar. Die Mosaiken des Hochaltars bestehen aus Alabaster und Marmor, komponiert im typisch tunesischen Stil. Die Orgel der Kathedrale aus dem Jahr 1921 gilt allgemein als die schönste in Nordafrika. Gelegentlich wird die Kathedrale auch als Aufführungsort für Konzerte genutzt da sie in unmittelbarer Nähe des Theaters Municipal, das auch heute noch als Konzertsaal für klassische und arabische Musik sowie als Bühne für Filme und Vorträge dient, liegt.

Sidi Bou Saïd
Der Besuch des malerischen Künstlerdorfs ist obligatorisch. Die weissen Häuser mit ihren blauen Türen und den mit Schmiedeeisen vergitterten Fenstern liegen an einem Hügel, der zum Meer abfällt. Dort gibt es einen Yachthafen. Wer Gelegenheit hat, am Morgen durch Sidi Bou Saïd zu spazieren, erlebt noch die Beschaulichkeit des Orts, die die deutschen Expressionisten August Macke und Paul Klee kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs auf ihren Gemälden und Aquarellen eingefangen haben, und kann im Café des Nattes in Ruhe seinen türkischen Kaffee oder einen thé à la menthe geniessen. Im Palast des britischen Barons Rudolphe d'Erlanger ist das Centre des Musiques Arabes Ennejma Ezahar, eingerichtet: Die kostbare orientalische Innenausstattung sowie die arabischen Musikinstrumente, traditionelle Maloufdarbietungen oder klassische Konzerte sind einen Abstecher wert. Baron Erlanger ist es auch zu verdanken, dass Sidi Bou Saïd 1915 unter Denkmalschutz gestellt wurde und so bis heute seine Ursprünglichkeit bewahren konnte. Charakteristische Souvenirs aus Sidi Bou Saïd sind die bauchigen Vogelkäfige.

La Marsa und Gammarth
Diese beiden Küstenvororte von Tunis gehen ineinander über und bilden mit ihren endlos langen Sandstränden das Naherholungsgebiet der Region. Als Touristengebiet sind die Orte sowie ihre Restaurants und Hotels, bedingt durch die Nähe zur Hauptstadt, recht teuer. Man kann aber auch in einer Jugendherberge übernachten, die fast direkt am Strand von La Marsa liegt. Von Tunis aus gibt es bis hierher eine TGM-Verbindung. Das Wasser ist an den breiten Sandstränden sehr sauber und türkisblau, es gibt zudem jede Menge Wassersportmöglichkeiten und die weitläufige Fläche bietet genug Platz für Privatstrände und Urlauber.

GESCHICHTE

Der Name der Stadt geht auf die Göttin Tanit zurück, die in punischer Zeit als Schutzgöttin von Karthago verehrt wurde. Tunis ist eine der ältesten Städte am Mittelmeer. Die numidische Stadt Tunes existierte schon vor dem Eintreffen der ersten phönizischen Kolonisten im 9. Jahrhundert v. Chr. Jedoch stand Tunis in der Antike stets im Schatten des mächtigen Karthago.

Erst nach der arabischen Eroberung und der Zerstörung Karthagos Ende des 7. Jahrhunderts gelangte Tunis zu überregionaler Bedeutung. Unter der Herrschaft der Aghlabiden diente Tunis im 9. Jahrhundert kurzfristig als Residenz. Zu dieser Zeit entstand die Medina mit der Ez-Zitouna- Moschee.

Tunis wurde 1159 unter der Dynastie der Hafsiden die Hauptstadt Ifriqiyas und war ein führendes Handelszentrum mit Europa. 1270 scheiterte ein Eroberungsversuch des französischen Königs Ludwig IX. während des Siebten Kreuzzugs. Erstmals gelangte Tunis 1534 unter türkische Herrschaft. Nur ein Jahr später wurde es aber von Karl V. erobert und unterstand danach spanischem Protektorat, bis Tunis 1574 endgültig in die Hand der Türken fiel. Nach 1591 waren die türkischen Gouverneure (Beys) relativ unabhängig, und die Stadt wuchs als ein Zentrum von Piraten und Handel. Ab 1609 siedelten sich zahlreiche Flüchtlinge aus Andalusien, darunter auch viele Juden, an und trugen zum wirtschaftlichen und kulturellen Aufschwung von Tunis bei.

Im April 1655 war der englische Admiral Robert Blake beauftragt worden, von den Staaten des Mittelmeers, die englische Schiffe angegriffen hatten, eine Entschädigung einzufordern. Nur der Bey von Tunis widersetzte sich, mit dem Resultat, dass Blakes Schiffe das Arsenal des Beys bei Porto Farina (Ghar el Melh) angriffen, wobei sie neun algerische Schiffe und zwei Küstenbatterien zerstörten. Es war das erste Mal in der Seekriegsführung, dass Küstenbatterien ausser Gefecht gesetzt wurden, ohne Landungstruppen einzusetzen.

1881 machten die Franzosen Tunis zum Sitz ihrer Protektoratsverwaltung und nahmen zahlreiche städtebauliche Veränderungen vor. Zwischen der Altstadt und dem Meer entstand eine Neustadt im europäischen Stil und der Stadthafen wurde über einen Schifffahrtskanal durch den See von Tunis mit dem neu angelegten Hafen von La Goulette verbunden. Während des Zweiten Weltkriegs wurde Tunis von den Achsenmächten von November 1942 bis Mai 1943 gehalten und war deren letzte Basis in Afrika (Afrikakorps/Erwin Rommel).

Nach der Unabhängigkeit Tunesiens im Jahr 1956 wanderten die meisten der Europäer, die zuvor noch fast ein Viertel der Einwohnerschaft ausgemacht hatten, aus. Zugleich führte die Landflucht zu einem grossen Bevölkerungszuwachs und dem Bau von zahlreichen Neubaugebieten. Zwischen 1979 bis 1990 hatte die Arabische Liga ihr Hauptquartier in Tunis.

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